Hamburg | Harmonie und Tiefgang auf Maffay-Oerding-Album «Nashville»
Zwei Generationen, eine Musik
Hamburg (dpa) - Dieses Album klingt nach Lagerfeuer und Gelassenheit. Peter Maffay und Johannes Oerding haben sich für ein paar Tage in einem Musikstudio im US-Bundesstaat Tennessee zusammengesetzt und gemeinsam Musik gemacht. Herausgekommen ist ein Album voller Duette, die so harmonisch klingen, dass man sich wundert, warum die beiden erst jetzt auf die Idee gekommen sind. Das Album «Nashville» mit zehn gemeinsamen Liedern erscheint am 2. Oktober. Und es hält alles, was es verspricht.
Denn wo «Nashville» draufsteht, da erwartet man ja schon ein bisschen Blues- und Countrymusik. Und wo Peter Maffay und Johannes Oerding draufstehen, da sollen auch kluge Texte, angenehme Melodien und gefühlvolle Stimmen drinstecken. Und all das bringt «Nashville» mit. Es ist ein kleines Wohlfühlalbum von zwei Musikern verschiedener Generationen, die perfekt zusammenzupassen scheinen.
Wenn aus Zusammenarbeit Freundschaft wird
«Das schmeckte mir von Anfang an, das war perfekt», erinnert sich Maffay im dpa-Interview an die ersten beruflichen Begegnungen mit Oerding. Auch Johannes Oerding schwärmt von der Zusammenarbeit: «Er ist nicht nur seit Jahren ein guter Freund, nein, er ist immer noch Peter Maffay, die Legende, der erfolgreichste deutsche Solokünstler und ein fantastischer Musiker. Das ist für mich als jüngerer Musiker und Fan einfach schon sehr besonders.»
Maffay ist 77 Jahre alt, wurde in Rumänien geboren und lebt in Süddeutschland, Oerding ist 44 und kommt aus Hamburg. Beide verbindet die Liebe zum Blues, zum Country-Rock und zur handgemachten, erzählenden Musik, wie sie dpa erzählen. Aufgenommen hat das Duo die Songs schließlich in der Wiege der Blues- und Countrymusik, in Nashville.
Eingespielt in nur fünf Tagen und mit waschechten Nashville-Musikerinnen und -Musikern. «Die Luft war voller Inspiration», erinnert sich Maffay an das Frühjahr 2025. «Wir hatten einfach Bock, und der Rest hat sich gefügt.»
Oerding ergänzt: «Dieses Album ist ein handgemachtes Album. Jeder Ton auf der Platte ist live gespielt. Kein Netz, kein doppelter Boden!» Der Sound sei inspiriert von der Country-Welt, insbesondere dem Sound aus Nashville. «Das Fundament bilden trotzdem Peter Maffay und Johannes Oerding. Unsere Identität hört man in den Kompositionen, Texten und der Art und Weise, wie wir singen», sagt er.
Stimmig, stark und typisch Maffay und Oerding
Und genau das nimmt man auch beim Durchhören von «Nashville» wahr. Alles wirkt stimmig. Schon das erste - und vielleicht auch stärkste - Lied des Albums zeigt, wohin die Reise der noch kommenden neun Lieder in etwa geht. Handgemachte Musik, klare Texte und die typischen Oerding- und Maffay-Stimmen. Und wie viele andere Lieder der beiden ist es ein Plädoyer fürs «Einfach machen» und Mut haben.
Die Beats und die Stimmung der Songs wechseln charmant zwischen «Handylicht an und schwenken» und «Alle Hände hoch in die Luft und rhythmisch mitklatschen». Und sie zeigen, wie viel Maffay und Oerding gemeinsam haben. Abgesehen von der Einstellung zu den Dingen verbindet sie eben auch das Tourleben auf der Straße und der ständige Abschied von den Lieben, wie sie in «Nach Hause» beschreiben.
Dass auch die Haltung der beiden zusammenpasst, zeigt sich in «Sisyphos». Das Lied hat eine klare politische Botschaft: «Lass uns in den Frieden ziehen. (...) Liebe ist für uns Religion», singen die beiden. «Stiefel, die marschieren. Alle hier verlieren. Ist das hier denn noch unsere Welt? Die Zeiger stehen auf fünf vor Zwölf. Doch wir bleiben laut. Wir geben niemals auf!». Dass ausgerechnet dieser Song mit Country-Beats im Mitklatsch-Rhythmus gestaltet ist, wirkt besonders klug. Denn der Refrain lässt sich lautstark mitsingen.
Gemeinsame Tour steht im Frühjahr an
Ein bisschen Country-Klischee zum Mitwippen und Bierchen heben gibt es beim «Kneipen-Skiffle». Das macht überraschend gute Laune. Auch «Schön, dass es dich gibt» besticht durch eine angenehme Country-Blues-Stimmung.
Man hört den Liedern an, dass es hier keinen Druck gab, dass die Musiker einfach ausprobieren und genießen konnten. Oerding: «Wir haben uns von Anfang an gesagt: Alles ist erlaubt! Wir lassen die Atmung, den Schmutz, das erste Gefühl und sogar die Fehler auf der Platte, denn das macht sie lebendig.»
Johannes Oerding findet außerdem, dass das Projekt an sich schon besonders ist: «Ein vergleichbares Projekt gab es so in Deutschland noch nicht. Zwei Künstler aus unterschiedlichen Generationen versuchen sich am Country-Sound aus Nashville und schreiben neue deutschsprachige Songs. Zehn Duette mit Themen aus dem Leben. Allein das macht dieses Projekt für mich so unglaublich wertvoll.»
Wer mehr Maffay-Oerding-Duette will, kann sich auf Frühjahr 2027 freuen. Am 15. April startet in Oberhausen die «Nashville»-Tournee.
© dpa-infocom, dpa:260928-930-754711/1
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