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Berlin | MacBook Neo im Test: Apples Angriff auf den Notebook-Markt

Apple Inc./dpa-tmn | Für Apple ein überraschend niedriger Einstiegspreis: Schüler und Studenten kommen ab 599 Euro zu einem MacBook Neo, alle anderen ab 699 Euro.

Angeschaut und ausprobiert

Berlin (dpa/tmn) - Mit dem neuen MacBook Neo mischt Apple den hart umkämpften Notebook-Massenmarkt auf. Für einen Einstiegspreis von 699 Euro verspricht Apple ein Gerät, das die gesamte Windows- und Chromebook-Konkurrenz nervös machen dürfte. Und weil das nicht genug ist, gibt es für Schüler, Studenten und andere Kunden im Bildungsbereich nochmals 100 Euro Rabatt. Ein Novum. Bislang kostete der Einstieg in die MacBook-Welt rund 1000 Euro aufwärts.

Der Clou am Neo: Im Inneren arbeitet kein klassischer Computer-Prozessor, sondern das Gehirn des iPhone 16 Pro. Das sorgt für einige Einschränkungen im Vergleich zu den höherpreisigen Modellen. Ob dieses ungewöhnliche Konzept aufgeht, zeigt unser ausführlicher Testbericht.

Premium-Qualität bei Design und Verarbeitung

Trotz des vergleichsweise niedrigen Preises müssen Käufer beim Gehäuse keine Abstriche machen. Das MacBook Neo besteht aus einem robusten Aluminium-Chassis, das sich absolut hochwertig anfühlt. Die meisten Konkurrenzprodukte in dieser Preisklasse stecken dagegen in einem vergleichsweise billigen Plastikgehäuse. Mit einem Gewicht von nur 1,23 kg ist das MacBook Neo ein echtes Fliegengewicht.

Akzente setzt Apple beim Design. Das Notebook ist in den Farben «Zitrus» (einem satten Zitronengrün), Rosa und «Indigo» (Dunkelblau) erhältlich. Wer mit einem MacBook Neo weniger auffallen möchte, kann auch Silber wählen. Apple zeigt hier viel Liebe zum Detail: Die Gummifüße an der Unterseite sowie die Akzentfarben und Hintergrundbilder im Betriebssystem macOS sind exakt auf die jeweilige Gehäusefarbe abgestimmt.

Tastatur, Trackpad und Anschlüsse: Licht und Schatten

Bei der Eingabe punktet das Neo stark: Es nutzt exakt dieselbe hochwertige Tastenmechanik wie das viel teurere MacBook Pro. Auch das haptische Trackpad ist groß, präzise und eines der besten in dieser Preisklasse. Allerdings gibt es einen gewaltigen Haken für Nachtarbeiter: Der Tastatur fehlt die Hintergrundbeleuchtung.

Zudem muss das Basismodell ohne den Fingerabdrucksensor (Touch ID) auskommen; dieser ist erst in dem besser ausgestatteten Modell mit 512 Gigabyte (GB) Speicherplatz enthalten, das 799 Euro kostet. Touch ID braucht man etwa für ApplePay, den schnellen Zugang zum Passwortmanager oder das Aufsperren des Rechners.

Bei den Anschlüssen hat Apple gespart. Zwar gibt es einen Kopfhöreranschluss, aber nur zwei USB-C-Ports, von denen einer schnelles USB 3 (10 Gbit/s) und der andere lediglich antiquiertes USB 2.0 unterstützt. Man kann an das Neo einen externen Monitor mit maximal 4K-Auflösung bei 60 Hz anschließen. Es ist also kein Büroarbeitspferd, eher ein Begleiter für Alltagsaufgaben.

Display und Multimedia

Das 13 Zoll große LCD-Display bietet eine scharfe Auflösung von 2.408 x 1.506 Pixeln und eine ordentliche Spitzenhelligkeit von rund 524 Nits. Für professionelle Fotografen ist es nur bedingt geeignet, da es lediglich den sRGB-Farbraum abdeckt und auf die True-Tone-Technik zur automatischen Anpassung an das Umgebungslicht verzichtet. Zudem fallen die Ränder um das Display etwas dicker aus als beim MacBook Air.

Die in den Rahmen integrierte 1080p-Webcam liefert eine akzeptable Bildqualität für Videocalls, verzichtet aber auf die «Center Stage»-Funktion und besitzt kurioserweise keine LED-Anzeige, die signalisiert, ob die Kamera gerade aktiv ist oder nicht. Die Lautsprecher klingen für ein Einsteigergerät gut und durchaus räumlich, können aber nicht mit der Fülle der teureren Pro-Modelle mithalten.

Leistung: Das Smartphone-Gehirn überrascht 

Die größte Besonderheit ist der verbaute Prozessor: ein A18 Pro, den Apple ursprünglich für das iPhone 16 Pro entwickelt hat. Die Leistungsdaten der Benchmark-Programme zeigen Erstaunliches: 

  • In der Single-Core-Leistung (Last auf einem einzelnen Rechenkern) liegt das günstige MacBook Neo auf dem Niveau des M3-Chips von 2023. 
  • Es schlägt sogar nagelneue und teure Windows-Flaggschiff-Prozessoren von Intel und AMD. 
  • Bei der Multi-Core- und Grafik-Leistung bewegt es sich ungefähr auf dem Level des M1-Chips aus dem Jahr 2020.

Im Alltag bedeutet das:

  • Das Starten von Apps, Web-Browsing mit vielen Tabs, Textverarbeitung und Alltags-Multitasking läuft absolut flüssig und rasant. 
  • Einfache 4K-Videoschnitte in Final Cut Pro bewältigt das Gerät problemlos. 
  • Da das MacBook Neo keinen Lüfter besitzt, arbeitet es dabei stets komplett geräuschlos. 

Die Bildbearbeitung funktioniert bei normalgroßen Bildern reibungslos. Wir haben das mit der Software Pixelmator Pro getestet. Riesige 100-MP-Dateien - etwa aus einer Hasselblad - verursachen jedoch eine hohe Auslastung des Arbeitsspeichers und bringen das Neo zum Stottern. Aber wer hat schon so eine Profikamera?

Als Flaschenhals erweist sich der Arbeitsspeicher (RAM) von 8 GB auch bei aufwendigen 3D-Renderings in Blender oder anspruchsvollem Gaming. 

Games-Klassiker wie «Minecraft», «Bombsquad» und «Tomb Raider» laufen aber flüssig. 

Akku: Klein, aber effizient 

Obwohl der Akku mit 36,5 Wattstunden (Wh) physisch deutlich kleiner ist als der des MacBook Air (53,8 Wh), holt der A18-Pro-Chip dank seiner Effizienz einen ganzen Arbeitstag Laufzeit heraus. Bei normaler Nutzung hält das Neo gut durch. Nur bei intensiven Aufgaben wie Gaming sinkt die Laufzeit rapide auf etwa vier bis fünf Stunden. Aufgeladen wird das Notebook mit maximal gut 36 Watt in etwa anderthalb bis gut zwei Stunden. 

Positiv: Das Neo lässt sich auch problemlos mit einer herkömmlichen Powerbank betanken. Außerdem wurde der Akku im Inneren nicht verklebt. Er ist verschraubt und damit leichter austauschbar. 

In der Schachtel des MacBook Neo liegt übrigens kein Netzteil mehr. Sparfüchse besorgen sich nicht bei Apple Ersatz, sondern schauen sich bei Marken wie Anker, Belkin, Ikea oder Ugreen um. 20 Watt sollten es mindestens sein.

Fazit: Könnte das Maß der Dinge werden

Das MacBook Neo ist ein brillanter Schachzug von Apple, um die Zahl der Mac-Anwender in die Höhe schnellen zu lassen. Für normale Alltagsnutzer ist dieser Laptop das absolute Maß der Dinge im Preisbereich bis 700 Euro. Schüler und Studenten kommen sogar ab 599 Euro zu einem MacBook Neo. 

Wer immer es sich leisten kann, 100 Euro mehr zu investieren, sollte die bessere Variante mit mehr SSD-Speicherplatz (512 statt 256 GB) und einem Touch-ID-Sensor auf der Tastatur ins Auge fassen.

Wer anspruchsvolles Gaming betreibt, professionelle Fotobearbeitung macht oder schwere Videoprojekte rendert, sollte zum MacBook Air oder MacBook Pro greifen. Wer indes einfach nur ein hochwertiges, flottes und zuverlässiges Notebook für den Alltag sucht, wird mit dem Neo glücklich werden.

© dpa-infocom, dpa:260325-930-864097/1

Apple Inc./dpa-tmn | Das MacBook Neo gibt es in den Farben «Zitrus», Rosa, «Indigo» (Dunkelblau) und Silber.

Apple Inc./dpa-tmn | Das MacBook Neo verfügt über zwei USB-Ports und eine Kopfhörerbuchse.

Apple Inc./dpa-tmn | Das MacBook Neo kommt mit 13-Zoll Liquid Retina Display.

Apple Inc./dpa-tmn | Das MacBook Neo liefert bei Videocalls gute Qualität - die «Center Stage»-Funktion mit automatischem Fokus gibt es allerdings nicht.