Los Angeles | Spannende Oscars: «Sinners» oder «One Battle After Another»
Filmpreise
Los Angeles (dpa) - Vampire und schwarzer Blues, militante Aktivisten, die trauernde Shakespeare-Familie, ein besessener Tischtennisspieler, Rennfahrer und Frankenstein: Bei den Oscars konkurriert eine bunte Mischung um den Spitzenpreis als bester Film. Auch eine Reihe Talente und Koproduktionen aus Deutschland könnten bei der Trophäengala am 15. März ausgezeichnet werden. Fakten zu den 98. Academy Awards:
Hollywoods größtes Trophäen-Spektakel
Die Oscar-Gala geht im Dolby Theatre im Herzen von Hollywood über die Bühne. Nach dem Defilee der Stars auf dem roten Teppich soll die Preisverleihung in 24 Kategorien um 16.00 Uhr Ortszeit beginnen. Der US-Comedian Conan O`Brien (62) steht zum zweiten Mal als Moderator auf der Oscar-Bühne.
Wo kann man in Deutschland die Gala schauen?
Hartgesottene Oscar-Fans müssen die Nacht durchmachen. ProSieben überträgt die Verleihung live aus Hollywood zum 28. Mal – vom roten Teppich moderiert wieder Steven Gätjen. Der Sender steigt ab 23.30 Uhr am Sonntag deutscher Zeit ein, die Show startet um Mitternacht. In Kalifornien fällt der Startschuss nachmittags um 16.00 Uhr. Die USA haben dann bereits auf Sommerzeit umgestellt und der Zeitunterschied nach Deutschland beträgt nur acht statt der üblichen neun Stunden.
Die hauseigene Streamingplattform Joyn des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1 ist schon ab 22.00 Uhr am Red Carpet und bei der anschließenden Show dabei. Auch der Streamingdienst Disney+ überträgt die Gala live in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Oscar-Verleihung in Kriegszeiten
Könnten die Oscar-Verleihung wegen des seit Ende Februar laufenden Iran-Kriegs ausfallen? Wäre eine Absage des roten Teppichs denkbar? Kurz vor dem Event gibt es dafür keine Anzeichen. Die Entertainment-Metropole hält an dem Motto «The Show Must Go On» fest. Die Oscar-Organisatoren sprachen aber über verschärfte Sicherheitsvorkehrungen mit Unterstützung vom FBI und der örtlichen Polizei. Jedes Jahr sei es ihr Anliegen, dass sich jeder «sicher, geschützt und willkommen» fühle, sagte Produzent Raj Kapoor auf einer Pressekonferenz.
Eine Absage gab es in der langen Academy-Geschichte nie, Show-Verzögerungen erst wenige Male. Nach einer Flutkatastrophe in Los Angeles wurde die Verleihung 1938 um eine Woche verschoben. 1968 fand die Feier zwei Tage später als geplant statt. Grund war die Beisetzung des ermordeten Bürgerrechtlers Martin Luther King. Wegen eines Attentats auf US-Präsident Ronald Reagan wurde die Show 1981 um einen Tag verschoben. Reagan überlebte den Anschlag schwer verletzt. Während der Corona-Pandemie wurde die Vergabe 2021 in einem deutlich kleineren Rahmen auf Ende April verschoben.
Wer ist nominiert?
Mit sensationellen 16 Nominierungen geht das musikalische Vampir-Südstaatendrama «Sinners» (dt. Titel «Blood & Sinners») von Regisseur Ryan Coogler als großer Favorit ins Oscar-Rennen und übertrumpft damit bisherige Rekordhalter wie «Alles über Eva» (1950), den «Titanic»-Blockbuster (1998) und das Film-Musical «La La Land» (2017), die jeweils 14 Gewinnchancen hatten.
Abräumen könnte auch der schwarzhumorige Politthriller «One Battle After Another» von Regisseur Paul Thomas Anderson (13 Nominierungen), gefolgt von dem Monsterfilm «Frankenstein», der Tragikomödie «Marty Supreme» und dem norwegischen Familiendrama «Sentimental Value» mit je neun Gewinnchancen. Acht Nennungen gab es für das Drama «Hamnet» über die Shakespeare-Familie. Neben diesen sechs Favoriten sind in der Topsparte «Bester Film» weitere vier Werke im Rennen - «Train Dreams», «Bugonia», «The Secret Agent» und der Rennsport-Streifen «F1».
Welche deutschen Talente haben Chancen?
Deutschland hat es diesmal mit dem Anwärter «In die Sonne schauen» der Berliner Regisseurin Mascha Schilinski nicht in die Sparte International Feature Film geschafft. Doch mehrere deutsche Talente haben Preischancen und fiebern den Oscars entgegen, darunter die Spezialeffekte-Künstler Michael Ralla (46) und Guido Wolter (44). Ralla, der an der Hochschule der Medien in Stuttgart studierte, und Wolter, Absolvent der Bauhaus-Universität Weimar, sind mit zwei weiteren Kollegen für ihre Arbeit an dem Blockbuster «Sinners» in der Sparte «Visual Effects» nominiert.
Auch der im niedersächsischen Hameln geborene und in Großbritannien aufgewachsene Komponist Max Richter ist im Rennen – mit seiner Musik zum Drama «Hamnet» von Regisseurin Chloé Zhao. Er ist einer von fünf Anwärtern in der Sparte «Beste Filmmusik», neben Komponisten wie Ludwig Göransson («Sinners»), Jonny Greenwood («One Battle After Another») und Alexandre Desplat («Frankenstein»).
Zudem sind mehrere deutsche Koproduktionen für Oscars nominiert, darunter der norwegische Film «Sentimental Value», «The Secret Agent» aus Brasilien und die Dokus «Ein Nobody gegen Putin» und «Cutting Through Rocks».
Spannung bis zum Ende – wer hat die besten Karten?
Jessie Buckley sollte eine Dankesrede parat haben. Mit ihrer emotionalen Darstellung in «Hamnet» ist die 36-jährige Irin eine sichere Kandidatin für den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Buckley mimt in dem Film die Ehefrau von William Shakespeare, die den Tod ihres Sohnes Hamnet verarbeiten muss. Sie räumte in dieser Preissaison fast alle Trophäen ab, auch den Golden Globe.
Bei den Männern bleibt es spannend. Timothée Chalamet (30), der in der Tragikomödie «Marty Supreme» als ambitionierter Tischtennisspieler brilliert, galt lange als Favorit. Doch bei den als Oscar-Vorboten geltenden Actor Awards triumphierte «Sinners» mit Preisen für das beste Film-Ensemble und für Hauptdarsteller Michael B. Jordan (39). Chalamet und Leonardo DiCaprio («One Battle After Another») gingen leer aus.
Glamour bei der Gala
Die Oscar-Verleiher werben vorab mit einem Staraufgebot für ihre Show. Unter den angekündigten Promis, die auf der Bühne Preise verteilen, sind Nicole Kidman, Sigourney Weaver, Channing Tatum, Robert Downey Jr., Javier Bardem, Gwyneth Paltrow, Anne Hathaway und Demi Moore. Als «Presenter» sind auch die vier Oscar-Gewinner von 2025 – Mikey Madison («Anora»), Zoe Saldaña («Emilia Pérez»), Adrien Brody («Der Brutalist») und Kieran Culkin («A Real Pain») – dabei.
Es ist nicht offiziell, aber aus der Branche verlautet, dass die Hollywood-Ikone Barbra Streisand dem im September gestorbenen Robert Redford singend Tribut zollen könnte. Bei der Gala wird in jedem Jahr mit dem sogenannten «In Memoriam»-Segment Verstorbenen der Filmbranche gedacht. Streisand und Redford standen sich 1973 in dem Liebesfilm «So wie wir waren» gegenüber – wird die 83-Jährige den Titelsong «The Way We Were» singen?
Was ist diesmal neu?
Erstmals seit knapp 25 Jahren gibt es eine neue Oscar-Kategorie. Die Filmakademie hatte zuletzt 2002 die damals neue Sparte «Bester animierter Spielfilm» bei der Trophäenshow eingeführt. Nun feiert «Casting» seine Premiere. Mit der Auszeichnung für Casting-Direktoren wächst die Zahl der Preissparten auf 24. Für einen eigenen Casting-Oscar hatten sich Filmschaffende, die bei Produktionen für die Besetzung von Rollen zuständig sind, seit Jahren eingesetzt. Nominiert sind unter anderem die Britin Nina Gold für «Hamnet» und ihre US-Kolleginnen Francine Maisler («Sinners») und Jennifer Venditti («Marty Supreme»).
Dünn anziehen?
Auch in diesem Jahr wurde vorsichtshalber wieder ein Plastikdach über den roten Teppich vor dem Dolby Theatre gespannt. Schließlich gab es auch schon verregnete Oscars. Doch in diesem Jahr fühlt sich das wie ein Schwitzkasten an. Die «Winter»-Temperaturen in Los Angeles kletterten im Vorfeld auf 32 Grad Celsius hoch. Die Prognose für Sonntag liegt bei sonnigen 28 Grad Celsius.
© dpa-infocom, dpa:260313-930-810186/1
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