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Kiew/Moskau/Abu Dhabi | Ukraine erwartet rasch nächste Verhandlungen in den USA

Sergei Grits/AP/dpa | Während der Gespräche in Abu Dhabi tauschten Moskau und Kiew mehr als 300 Gefangene aus.

Die Lage im Überblick

Kiew/Moskau/Abu Dhabi (dpa) - Nach Verhandlungen der Ukraine, Russlands und der USA in Abu Dhabi erwartet der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Fortsetzung der Gespräche «in allernächster Zeit». Die nächste Verhandlungsrunde über ein Kriegsende werde wahrscheinlich in den USA stattfinden, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft aus Kiew.

Seit Mittwoch hatten Unterhändler der Ukraine, Russlands und der USA in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) miteinander gesprochen. Selenskyj sagte nicht, ob die künftigen Gespräche in den USA ebenfalls in diesem Dreierformat stattfinden sollen.

Die Ukraine sei bereit zu allen Gesprächsformaten, «die den Frieden wirklich näher bringen und ihn zuverlässig und dauerhaft machen können, so dass Russland den Appetit verliert, weiterzukämpfen», sagte er. «Es ist wichtig, dass dieser Krieg so endet, dass Russland keinen Lohn für seine Aggression erhält.»

USA loben Gespräche in Abu Dhabi

Zum Inhalt des Treffens in Abu Dhabi wurden keine detaillierten Angaben gemacht. «Die Diskussionen waren konstruktiv und konzentrierten sich darauf, Vorbedingungen für einen dauerhaften Frieden zu schaffen», schrieb der von Präsident Donald Trump eingesetzte US-Sondergesandte Steve Witkoff auf der Plattform X.

Von russischer und ukrainischer Seite nahmen viele Militärvertreter an den Gesprächen teil. Witkoff erklärte, es sei über Methoden gesprochen worden, um eine Waffenruhe zu erreichen und die Einstellung militärischer Aktivitäten zu überprüfen. Neben den Dreiergesprächen mit der Ukraine vereinbarten die USA und Russland bilateral, ihren 2021 ausgesetzten Militärdialog wiederzubeleben.

Selenskyj bleibt bei Territorialfrage hart

Ein Thema am Golf dürfte die Moskauer Forderung gewesen sein, dass die ukrainische Armee aus den noch von ihr beherrschten Teilen der Gebiete Donezk und Luhansk abzieht. Moskau verlangt, dass die internationale Gemeinschaft die Zugehörigkeit dieser Territorien zu Russland anerkennt. 

«Selbst wenn jemand unsere Gebiete als russisch anerkennt, wird das nichts bringen», kommentierte Selenskyj in Kiew. Denn nicht alle Staaten würden dies tun, und kein Verzicht sei gültig ohne seine Unterschrift als Präsident. «Deshalb gehören unsere Gebiete zu uns, auch wenn sie vorübergehend besetzt sind», sagte Selenskyj bei einer Pressekonferenz mit Polens Ministerpräsident Donald Tusk in Kiew. Selenskyj und Tusk vereinbarten, die Rüstungskooperation ihrer Länder zu verstärken.

157 gegen 157: Moskau und Kiew tauschen Gefangene aus

Einziges greifbares Ergebnis während des Treffens in Abu Dhabi war der erste Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine seit mehreren Monaten. Jede Seite entließ 157 gefangene Soldaten in die Heimat. Selenskyj teilte mit, es seien Soldaten der ukrainischen Armee, der Nationalgarde und der Grenztruppen zurückgekehrt. Einige seien seit 2022 in russischer Gefangenschaft gewesen. 

Der Austausch zeige, dass «ein nachhaltiges diplomatisches Engagement greifbare Ergebnisse liefert und die Bemühungen um ein Ende des Krieges in der Ukraine vorantreibt», lobte US-Vertreter Witkoff. Allerdings haben die Kriegsparteien mittlerweile 71 Mal Gefangene ausgetauscht, und das fast immer ohne Beteiligung der USA.

Die Vereinigten Arabischen Emirate hätten seit Kriegsbeginn 18 Mal zwischen Moskau und Kiew vermittelt und den Austausch von 5.000 Gefangenen ermöglicht, teilte das emiratische Außenministerium der Staatsagentur WAM zufolge mit. 

Ukraine will russisches Raketentestgelände beschossen haben

Selenskyj griff eine Mitteilung seines Generalstabs auf, wonach die Ukraine mit ihrem selbst entwickelten Marschflugkörper Flamingo das Raketentestgelände Kapustin Jar bei Astrachan in Südrussland beschossen habe. «Unsere Flamingos haben ihre Arbeit getan», sagte Selenskyj und dankte den beteiligten Soldaten. Von Moskauer Seite gab es dazu keine Angaben. Von Kapustin Jar aus hatte die russische Armee zweimal die zerstörerische neue Mittelstreckenrakete Oreschnik auf die Ukraine abgeschossen.

Zahlreiche Häuser in Kiew dauerhaft ohne Heizung

Mehr als 1.100 Wohnblocks in Kiew können wegen der Zerstörung eines Heizkraftwerks in diesem Winter absehbar nicht mehr beheizt werden. Das teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. Die Verwaltung der Drei-Millionen-Stadt veröffentlichte eine Liste mit 1.126 betroffenen Gebäuden, die alle in den Stadtteilen Darnyzja und Dniprowskyj auf dem östlichen Ufer des Dnipro liegen.

Das Heizkraftwerk für diese Stadtteile sei bei einem russischen Luftangriff am Dienstag so beschädigt worden, dass die Reparatur mindestens zwei Monate dauern werde, schrieb Klitschko. 

In der ukrainischen Hauptstadt müssen die Menschen schon seit schweren Luftangriffen Anfang Januar teils ohne Strom, Heizung und Wasser ausharren. Dabei herrscht strenger Frost. Die ukrainische Führung wirft Russland vor, die Menschen mit Kälte und Dunkelheit zu terrorisieren. Die Ukraine hält seit fast vier Jahren einer großangelegten russischen Invasion stand.

© dpa-infocom, dpa:260206-930-649498/1

Efrem Lukatsky/AP/dpa | Die Ukraine und Polen haben eine engere Rüstungskooperation vereinbart.

-/Kyodo/dpa | Wegen eines zerstörten Heizkraftwerks können mehr als 1.100 Wohnblocks in Kiew nicht geheizt werden.