Skip to main content

Berlin | BfV sieht «mehr Risikoappetit» bei ausländischen Angreifern

Soeren Stache/dpa | Marika Linntam, Botschafterin der Republik Estland in Berlin, berichtet von Präventionsmaßnahmen ihres Landes gegen Sabotage und Cyberoperationen Russlands.

Sabotage und Spionage

Berlin (dpa) - Das Niveau von gegen Deutschland gerichteter Spionage, Sabotage und gefährlichen Aktionen hat nach Einschätzung des Verfassungsschutzes deutlich zugenommen. Bei den Angreifern seien «mehr Risikoappetit» und «variable Methoden» zu beobachten, sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), Sinan Selen, bei einer gemeinsamen Tagung seiner Behörde mit dem Verband für Sicherheit in der Wirtschaft (VSW). Auch «Tötungsoperationen» seien nicht auszuschließen.

Deutschland werde von Russland «als Gegner, mitunter als Feind Nummer eins» wahrgenommen, sagte der BfV-Präsident. Im Fokus ausländischer Operationen stünden insbesondere die Logistikbranche sowie der Rüstungs- und der Technologiesektor. Russland sei dabei der maßgebliche Kontrahent, aber bei weitem nicht der Einzige. 

Erfahrungen aus Estland 

Die Botschafterin Estlands, Marika Linntam, berichtete den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Tagung von einem Brandanschlag auf ein ukrainisches Restaurant in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Später habe sich herausgestellt, dass es sich dabei um eine «Einflussoperation des russischen Geheimdienstes» gehandelt habe. Typisch sei, dass Videos von solchen Operationen anschließend über soziale Medien verbreitet würden, um die Bevölkerung zu verunsichern.

Selen berichtete, der Start eines Gemeinsamen Abwehrzentrums Hybrid stehe kurz bevor. In dieser geplanten Kooperationsplattform, die dem Informationsaustausch unter anderem von Verfassungsschutz, Polizei und Generalbundesanwalt dienen soll, werde auch die Wirtschaft eng eingebunden sein. 

VSW-Präsident Johannes Strümpfel sagte, viele Unternehmen investierten inzwischen in ihre Cyberabwehr, erstellten Krisenpläne und bemühten sich ansonsten stark um eine höhere Widerstandsfähigkeit. Der Gesetzgeber müsse seinerseits nun Rechtssicherheit beim Informationsaustausch zwischen Wirtschaft und Behörden schaffen. 

Unter hybrider Kriegsführung wird eine Kombination aus militärischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln verstanden, mit der auch die öffentliche Meinung beeinflusst werden kann. Auch staatlich gelenkte Cyberattacken zählen dazu.

© dpa-infocom, dpa:260319-930-837370/1

Soeren Stache/dpa | «Die Dynamik der Bedrohungen erforderte schnellere Fortschritte», sagt der Präsident des Verbandes für Sicherheit in der Wirtschaft, Johannes Strümpfel.

Heiko Rebsch/dpa | Brandsätze in Paketen, die in Europa aufgegeben wurden, ließen bei den Sicherheitsbehörden die Alarmglocken schrillen. (Illustration)